Harald

Blaukraut

 

Im Akt des Zeichnens ist die Energie der Schöpfung eingewoben. Strich für Strich.
Die Superstrings der Gegenwärtigkeit.
In der Auseinandersetzung mit der Situation in der dieser kreative Akt stattfindet, existiert eine Art übergeordneter Wahrnehmung dessen was an Gedanken und Emotionen eine Schwingung erzeugt. Es handelt sich um ein Zulassen, ein Sosein dessen was ist. Ein Ich bin und darin liegen die Antworten auf alle Fragen die das so bin ich erzeugt. Alles ist ineinander gefügt, verbunden mit allem. Das will gemeinhin verstanden werden. Da sind Symbole, Gene, Strukturen, eine allem zugrunde liegende Semantik. Es wird dechiffriert, analysiert, verifiziert um zu verstehen und Aussagen über das was ist, treffen zu können. Dies geschieht auch beim Zeichnen. Während ich zeichne, will ich verstehen und dessen was ich verstehe Ausdruck geben. Den Ausdruck, den ich mit Worten niemals gerecht werden kann, so wie ich durch die Zeichnung auch niemals dem gerecht werden kann, was da ist. Es handelt sich „lediglich“ um eine Erweiterung der Mitteilungsform von Verständnis zum Leben und seinen Erscheinungsformen. Der Blick auf etwas oder Jemand ist meist begleitet mit Gedanken und unterlegt mit Gefühlen. Geschichten wollen erzählt sein, Assoziationen tauchen auf, die wiederum all zu gerne einen Schwall von Emotionen auslösen können. So überlagert sich innerhalb von Sekundenbruchteilen Schicht um Schicht, während das Auge seziert oder oberflächlich darüber huscht. Schneide Blaukraut auf und lass dir die Geschichte des Wachstums erzählen und während du dich über die HIrnwindungen wunderst, begegnet dir das herbe Aroma von Wacholderbeeren und du erinnerst dich an den sonnigen Tag auf einer Alpenmatte im Schatten eines knorrigen Wacholderbusches. So verweben sich die Eindrücke und bilden ein eigenes kosmisches Gebilde, unterdessen dich ein Kind bittet ihm einen Apfel zu schälen.
Tu es einfach und wundere dich nicht über den Apfel.

Tomatenautomat

 

Die Tomate kam zuletzt hinzu.
Ein längerer Prozess ist hier eingeschrieben. es geht buchstäblich ums Erschaffen... Die Inspirationen, die während der Anfangsphase als zufällige „Phrasierungen“ ein Stimmungsgerüst abgeben, entscheiden nicht immer, wohin sich die weitere Entwicklung in der täglichen Auseinandersetzung mit der Zeichnung und aus der täglichen Zusammenfügung des Alltagsgeschehens heraus*, bewegen werden.
Oft ist da inzwischen Widu, der es liebt sich an dem Schaffensprozess mit seiner ihm eigenen Dynamik zu beteiligen und es gelingt mir zumeist, ihn gewähren zu lassen, auch bis - oder eben gerade - hin zu einer gewissen Schmerzgrenze, die dann wenn sie erkennbar wird mir Zeichen genug ist, auf diese zu achten.
Diese Grenze zeigt mir die Gewichtungen innerhalb der bereits entstandenen Konfigurationen und die Wichtigkeiten einzelner Formen oder Texturen.
So bildet sich also nach und nach in der Zusammenarbeit mit den teils „widrigen Umständen“ die eigentliche Geschichte der nieder- geschriebenen Zeichnung heraus und wird so ein Zusammengefügtes durch die Auseinandersetzung. Im dann erkannten Endstadium der Zeichnung, welches nicht immer schon klar vorausgesehen wurde, kam das Zusammensein mit den selbst sich in den Moment hinein kreierenden Jugendlichen, die aus der Laune heraus geboren, Tomatenautomaten als Skizzen entwarfen.
Da wurde mit bewusst, dass es sich bei meiner Arbeit durchaus auch um einen Tomatenautomat handeln könnte.
So war die Tomate schnell hinzuerfunden und fand ihren Platz, in Irre führender Weise, am Anfang. Sie unterstreicht in plastischer Weise, die allerdings auch nicht zu fotografisch umgesetzt, das spielerische Element, das in der Kunst ein so wichtiger Bestandteil und die eigentliche Grundessenz ist und auch sein sollte.

 

*(wobei die beiden Begriffe: Auseinandersetzung und Zusammenfügung, bewusst - so - gewählt wurden und dennoch auch ausgetauscht werden können...)

Verhältnisse

 

Im Verhältnis zu stehen ist immer gegeben es kommt jeweils darauf an, worauf sich das Verhältnis bezieht.
Zum Verhältnis im Bezug auf das Verhalten, das durch die verschiedenen Verhältnisse entsteht, gibt es verschiedene Erkenntnisse zu beschreiben.
Diese Verhältnisse ermöglichen dann ein anderes Verhalten zu entwickeln, welches zu einem anderen Verhältnis führt. Verhältnismäßig gut finde ich den Zustand, der diese Zeichnung entstehen ließ. Er ist so wie sie ist und sie wird nie fertig sein, gleich wohl meine Zuwendung für sie ein Ende finden wird. Zumindest in der verhältnismäßig aktiven Beziehung, die zwischen uns besteht. Der Betrachter oder auch Käufer, bzw. zukünftige Besitzer, wird dann in eine Beziehung mit ihr treten und sein Verhältnis im Bezug auf das Besitztum für sich innerlich definieren.
Ob er dies will oder nicht.
Da während ich dies schreibe gerade in zwei Stunden Vollmond sein wird, wirkt das Verhältnis zum Mond, durch seine verhältnismäßige Anziehungskraft, relativ intensiv auf uns, respektive mich, ein. So ist auch das Verhältnis dieser Zeichnung und dem zu Ende gehen der zeichnerischen Grundlage, sowie dem Abschließen der dokumentarischen Bezugnahme im Verhältnis zum Mond stehend. Vorstellung und Vollendung stehen in ebensolchem Verhältnis wie Zufall und die Endlosigkeit.
Das Prinzip des Zufalls entspringt vermutlich der Vorstellung von Verhältnislosigkeit. Nichts steht in definierter Beziehung.
Alles ist wahllos miteinander in Beziehung.
Und somit ist die Beziehungslosigkeit selbst eine zufällige.
Da stimmt das Verhältnis nicht.